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Gemeinde Finsing  |  E-Mail: info@finsing.de  |  Online: http://https://www.finsing.de

Überörtliche Verkehrsplanung München Ost

Die Büros Schlothauer & Wauer Ingenieurgesellschaft für Straßenverkehr mbH und Dragomir Stadtplanung GmbH haben für die Gemeinden Anzing, Aschheim, Feldkirchen, Finsing, Forstinning, Haar, Kirchheim b. München, Markt Schwaben, Pliening, Poing, Vaterstetten sowie die Landeshauptstadt München mit den Stadtbezirken Bogenhausen (13) und Trudering Riem (15) eine überörtliche Verkehrsplanung im Raum München Ost ausgearbeitet.

 

Der Prozess wurde in drei Phasen mit Workshops der teilnehmenden Gemeinden und Stadtbezirke inklusive deren Vor- und Nachbereitung unterteilt. Ausgehend von Themenschwerpunkten und Leitzielen, die in Form eines Raumkonzepts schematisch verortet wurden, konnten Maßnahmen erarbeitet werden, deren detaillierte Ausarbeitung in Maßnahmenblättern dokumentiert wurde. Grundlage war eine umfassende Bestandsaufnahme und SWOT-Analyse, um die Stärken und Schwächen des Verkehrs sowie die Chancen und Risiken zu ermitteln.

Themenschwerpunkte sind die Verkehrsvermeidung, Verkehrsverlagerung, verträgliche Verkehrsabwicklung, Siedlungsentwicklung und Landschaftsentwicklung. Auf Grundlage der fünf genannten Themen einer überörtlichen Verkehrsentwicklung wurden Leitziele erarbeitet, die die angestrebte Entwicklung für den Zielhorizont 2040 und darüber hinaus beschreiben sollen. Im ersten Workshop wurden die Leitziele vorgestellt und gemeinsam mit den beteiligten Gemeinden und Stadtbezirken ergänzt und weiterentwickelt.

 

Folgende Leitziele wurden erarbeitet:

 

LZ 0:    Interkommunale Kooperation durch gemeinsames Abstimmungsgremium zu ausgewählten Fragestellungen
LZ 1:    Weiterentwicklung der Hauptachsen des bestehenden Netzes für den MIV (motorisierter Individualverkehr) zu einem interkommunalen leistungsfähigen Gesamtnetz
LZ 2:    Ausrichtung der Siedlungsentwicklung auf eine minimal mögliche Verkehrsmengenzunahme durch Nutzungsmischung und angemessene städtebauliche Dichten hinsichtlich der Schaffung kurzer Wege
LZ 3:    Gezielte Attraktivitätssteigerung des ÖV (öffentlicher Verkehr) als zuverlässiger und flexibler Baustein einer ressourcenschonenden Mobilität
LZ 4:    Stärkung des Radverkehrs und weiterer umweltschonender und innovativer Mobilitätsangebote zur signifikanten Reduzierung des MIV
LZ 5:    Eine bestmögliche ÖV-Anbindung sowie eine leistungsfähige Erschließung sind Voraussetzung für das Festlegen von Fokusbereichen für bauliche Entwicklungen. Hierbei soll eine interkommunale und interdisziplinäre Abstimmung stattfinden
LZ 6:    Erhalt und Weiterentwicklung der schützenswerten und prägenden Elemente des Landschafts- und Naherholungsraums bei Siedlungs- und Infrastrukturprojekten

 

Im Rahmen des zweiten Workshops wurde ein entwickelter Entwurf zum Raumkonzept vorgestellt und diskutiert.

 

 

 

Ziele des Raumkonzepts sind:

 

  • die Gemeindeübergreifende Betrachtung der übergeordneten Themen
  • die räumliche Darstellung der allgemeinen und konsensfähigen Leitziele in der Region
  • die Darstellung des angestrebten Zielzustands
  • kein Ersatz der kommunalen Flächennutzungspläne.

 

 

 

Das Raumkonzept enthält 5 Ebenen:

 

Ebene 1:         MIV mit den Hauptachsen der A94 und A99 inkl. Anschlussstellen

Das Straßennetz bildet das Rückgrat der Mobilität in der Region und ist grundlegend notwendig, um die Siedlungsbereiche sowohl für den MIV als auch für den NMIV und den ÖPNV zu verbinden. Da die Kapazitätsgrenzen der Straßen erreicht sind, sollen verschiedene Maßnahmen, die dem Leitziel 1 zugeordnet sind, durchgeführt werden.

 

Ebene 2:         Landschafts- und Naherholungsräume

Im Zuge der aktuellen Siedlungsentwicklung und den damit verbunden notwendigen Infrastrukturprojekten kommt es zu einem gesteigerten Flächenbedarf für bauliche Entwicklungen. Aufgrund dieser Entwicklung ist das Landschaftsbild der Region zunehmend gefährdet, weswegen zukünftig dem Erhalt dessen eine gesteigerte Bedeutung zukommen soll.

 

Ebene 3:          ÖV mit der leistungsfähigen S- und U-Bahn, ergänzenden tangentialen und radialen ÖPNV-Angeboten mit S-Bahn-Qualität (z.B. Expressbussen) und ergänzenden radialen ÖPNV-Angeboten zur Verknüpfung des radialen und tangentialen Netzes

Ziel dessen ist es in der Region ein leistungsfähiges, zuverlässiges und alltagsfähiges Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln zur Verfügung zu stellen, um eine attraktive Alternative zum MIV zu etablieren. Das vorhandene schienengebundene Angebot soll ausgebaut werden, um die Zuverlässigkeit und Kapazität zu steigern (z.B. Taktverdichtung auf 15 Minuten). Das radiale Schienennetz soll um zwei weitere Verbindungen, München - Forstinning und München – Finsing, erweitert werden. Hierbei sollte es sich um leistungsfähige ÖPNV-Angebote, wie beispielsweise Expressbusverbindungen, handeln. Dadurch soll auch den Kommunen ohne S-Bahn-Anschluss ein leistungsfähiges ÖV-Angebot zur Verfügung gestellt werden, das den Anschluss an die LHM und die radiale Verbindung durch die Region verbessert. Das radiale Netz soll zusätzlich um ein tangentiales Netz ausgebaut werden. Die Bestandsaufnahme hat gezeigt, dass neben den Wegebeziehungen West-Ost auch die Verbindungen nach z. B. Ismaning und zum Flughafen eine erhöhte Bedeutung besitzen. Durch entsprechende Nord-Süd Verbindungen sollen diese Ziele zukünftig ebenfalls eine bessere ÖV-Anbindung besitzen.

 

Ebene 4:         Radverkehr mit Korridoren für schnelle Radverbindungen

Aufgabe der interkommunalen Radverkehrsplanung ist es, ein alltagstaugliches Wegenetz, z. B. für Pendler, zur Verfügung zu stellen und die Hauptorte über Radwege an leistungsfähige ÖV-Angebote anzubinden.

 

Ebene 5:         Siedlungsentwicklung

Raumkonzept mit der fokussierten Siedlungsentwicklung im S-Bahn-Einzugsradius von 1 km und der Siedlungsentwicklung im erweiterten ÖPNV-Netz

Ziel ist es, eine abgestimmte Siedlungsentwicklung zu ermöglichen, die die vorhandenen Mobilitätsangebote vollkommen ausnutzt und zukünftige Bedarfe rechtzeitig erkennt. Diese Siedlungsentwicklung definiert sich grundlegend über die Innenentwicklung, d. h. die Aktivierung von Brachflächen und Leerständen sowie der Schließung von Siedlungslücken. Die Zersiedlung der Landschaft und weiterer innerörtlicher Verkehr soll vermieden werden, in dem bewusst Wert auf eine fokussierte Siedlungsentwicklung innerhalb der 1 km Radien gelegt wird.

 

Außerdem wurden 25, von den Fachplanern vorgeschlagene Maßnahmen unter den Teilnehmern diskutiert. Für 13 Maßnahmen, die als besonders wichtig eingestuft wurden, haben die Teilnehmer im dritten Workshop detaillierte Maßnahmenblätter beschlossen.

 

 

 

Folgende Maßnahmen wurden mit hoher Priorität ausgewählt:

 

  • M.0 Zusammenschluss der Gemeinden des Münchner Ostens zu einem Interessensverbund zum Thema Siedlungs- und Verkehrsentwicklung – Ostallianz
  • M.1 Konzeptentwicklung zur Schaffung von nutzungsdurchmischten Quartieren in integrierten Lagen und entsprechende Sicherung durch die Bauleitplanung
  • M.4 Identifizierung von Innenentwicklungspotenzialen (z. B. Baulücken, Brachflächen, ungenutzter Gebäudebestand, Grundstücken mit Nachverdichtungspotenzial …) in einem interkommunalen Flächenkataster
  • M.6 Erstellung eines Konzepts zur Identifizierung geeigneter Fokusbereiche für bauliche Entwicklungen am Siedlungsrand, die über die vorhandene ÖV-Struktur bereits erschlossen sind
  • M.7 Abstimmung von Kommune, Interessensverbund und Landkreis im Rahmen baulicher Entwicklungen außerhalb bestehender ÖV-Netze zum frühzeitigen vorrausschauenden Ausbau des ÖV-Netzes unter Berücksichtigung der Finanzierungsmöglichkeiten
  • M.9 Erstellung eines interkommunalen und großräumigen Konzepts zur Identifikation und Weiterentwicklung lokaler und regionaler Landschafts-, Natur- und Naherholungsräume
  • M.10 Erarbeitung eines Konzeptes zur Vernetzung und Durchwegung lokaler und regionaler Naherholungsräume entsprechend den unterschiedlichen Mobilitätsformen
  • M.12 Ausarbeitung von Projektvorschlägen zur Aufnahme in den BVWP / Ausbauplan für die Staatsstraßen und gleichzeitig Bestandserhalt der regionalen Verkehrsinfrastruktur zur Neuverkehrsvermeidung
  • M.14 Anpassung der Verkehrsplanung zugunsten einer Verkehrsberuhigung in besiedelten Bereichen
  • M.16 Weiterentwicklung und Ergänzung des Busangebotes und Untersuchung / Herstellung der entsprechend notwendigen Rahmenbedingungen
  • M.18 Ausbau der Kapazitäten des SPNV und Modernisierung der Bahninfrastruktur zur Erhöhung der Betriebsstabilität
  • M.20 Ermöglichung des Zugangs zum ÖV und anderen umweltfreundlichen Verkehrsmitteln für die gesamte, breite Nutzerschaft. Abbau von Zugangshemmnissen
  • M.22 Entwickeln und Fortschreiben eines strategischen Radwegenetzes durch die Landkreise / die LHM sowie eines Alltagsnetzes auf Gemeindeebene in Abstimmung mit dem Landkreis

 

 

 

Es haben Stakeholdergespräche mit dem Landratsamt Ebersberg, dem Landratsamt München, dem StMB München „Verkehrspakt Großraum München“ und der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) stattgefunden. Einige geplante Maßnahmen der Stakeholder stimmen mit den Maßnahmen der Ostallianz überein.

 

Im Rahmen der Veranstaltung wurde der gemeinsame Abschluss des Projekts mit klaren umsetzbaren nächsten Schritten in der interkommunalen Zusammenarbeit erreicht. Als Fazit lässt sich feststellen, dass die Herausforderungen im Verkehrsbereich sich nur im Verbund mit Nachbargemeinden lösen lassen. Die Gemeinden im Münchner Osten wollen gegenüber übergeordneten Planungsträgern ihre Interessen gebündelt vertreten und mit einer Stimme sprechen, sich für die Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmen einsetzen und die erforderlichen Ressourcen bereitstellen. Die Zusammenarbeit soll fortgesetzt werden und eine „Allianz München Ost“ gegründet werden. 

 

Im Download-Bereich ist die Präsentation sowie den Abschlussbericht zur überörtlichen Verkehrsplanung einzusehen. 

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